Mund auf, Geldhahn zu

Ein wie ich finde sehr guter Artikel, bzw. Kommentar, zu den Wahlen hier in Äthiopien:

Diesmal hatte die Demokratie gar nicht erst den Hauch einer Chance – von Marc Engelhardt

Vor fünf Jahren hätte beinahe die Demokratie in Äthiopien Einzug gehalten. Den Überraschungserfolg der Opposition konnte die Regierung von Äthiopiens Premier Meles Zenawi damals nur niederschlagen, indem Sicherheitskräfte fast 200 Oppositionsanhänger erschossen und hunderte weitere auf Lastwagen in Lager abtransportierten.

(hier weiterlesen) [Der Standard, vom 27. Mai 2010]

Wahlbetrug in Äthiopien?

“Nicht einmal gemessen an afrikanischen Wahlstandards ist diese Wahl fair und frei”, sagt  das Oppositionsbündnisses Medrek. Thijs Berman, der Leiter der Wahlbeobachter Mission der Europäischen Union für Äthiopien, bestätigte die Vorwürfe: “Wir haben in der Tat verschiedene Beschwerden erhalten und verifizieren derzeit, wie schwerwiegend und wie weit verbreitet diese sind”.

Dennoch erwähnt die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton nichts von alledem. Stattdessen begrüßte sie den friedlichen Verlauf der Abstimmung und die hohe Wahlbeteiligung.

Glaubt man dem “Ethiopia national electoral board”, sollen die Wahlen jedoch frei, fair und demokratisch gewesen sein. Reuters berichtet, dass nach Ansicht der USA die Wahlen nicht internationalen Standards entsprochen haben sollen.

Die derzeitige Regierungspartei, die EPRDF, wird nach bisherigen Auszählungsergebnissen – sage und schreibe -  87 % der gesamten Sitze im Parlament erhalten! Die BBC berichtet gerade, dass der seit 19 Jahren regierende Premierminister, Meles Zenawi, sich von seinen Anhängern feiern lässt und den Wahlsieg für sich verbucht (celebrates his election victory). – “Ja, noch weitere fünf Jahre im Amt”, muss er sich gedacht haben.

Äthiopien hat gewählt. – Reaktionen der Medien

Heute, am 23. Mai, waren 32 Millionen wahlberechtigte Äthiopierinnen und Äthiopier aufgerufen ein neues Parlament zu wählen. Viele Analysten gehen davon aus, dass der derzeitige Premierminister Meles Zenawi (EPRDF) im Amt bestätigt wird.

Das endgültige Wahlergebnis soll erst am 23. Juni bekannt gegeben werden. Wie die Deutsche Welle berichtet sollen erste Ergebnisse bereits morgen verfügbar sein. Wahlbeobachter der Afrikanischen Union und der Europäischen Union beobachten die Wahlen. Ein Auto der letzteren habe ich vor einem Wahllokal in der Nähe unserer Schule gesehen.

Hier eine kleine Übersicht über ausgewählte Berichte zu den Wahlen. Alle Zeiten entsprechen der deutschen Zeit.

  • Äthiopier wählen Parlament – Sieg Zenawis erwartet“, Deutsche Welle. 23. Mai, 18 Uhr.
    “Oppositionspolitiker und Menschenrechtsgruppen warfen Zenawi vor(…) gegen politische Kontrahenten vorgegangen zu sein. Das (…) Oppositionsbündnis Medrek drohte damit, das Ergebnis der Abstimmung nicht anzuerkennen. Die Europäische Union sprach allerdings von einem friedlichen Wahlverlauf
  • Äthiopier wählen Parlament“, sueddeutsche.de. 23.05.2010, 17:41 Uhr.
    “Starke Polizeipräsenz, lange Schlangen vor den Wahllokalen”.

Englischsprachige Quellen

Die BBC hat ausführlich die Hintergründe (Themen, Parteien, Medien, usw.) zur Wahl analysiert.


Äthiopier wählen Parlament

Addis Abeba (dpa) – Starke Polizeipräsenz, lange Schlangen vor den Wahllokalen: Die Äthiopier haben bei Parlamentswahlen ihre neue politische Führung bestimmt. Als sicherer Sieger galt bereits vor der Wahl der umstrittene Ministerpräsident Meles Zenawi. Rund 32 Millionen Menschen waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Erste Ergebnisse werden morgen erwartet, das Endergebnis soll erst am 21. Juni bekanntgegeben werden. Oppositionspolitiker und Menschenrechtsgruppen warfen den Anhängern Zenawis vor, massiv gegen politische Kontrahenten vorzugehen.

© sueddeutsche.de – erschienen am 23.05.2010 um 17:41 Uhr

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Deutsche Welle: Äthiopien vor der Parlamentswahl

Kurz vor der Wahl meldet sich auch noch einmal die Deutsche Welle mit einem Bericht über die kommenden Parlamentswahlen. Dort erfährt man, dass heute der letzte Tag des Wahlkampfes ist, diese Woche Oppositions-Parlamentarier festgenommen wurden und die Regierungspartei ihre gestrige Abschlussveranstaltung direkt vor dem Parlamentsgebäude abgehalten hat (“Der Ort war natürlich symbolisch gewählt, denn dort will die EPRDF am Sonntag die absolute Mehrheit der 547 Sitze erringen.”).

Weitere Nachrichten / Analysen

Arba Minch / Awassa

“Kaum zu glauben aber wahr, ich hatte schon wieder frei. Freie Zeit will genutzt werden, also fand ich mich am Sonntagmorgen [2. Mai] letzter Woche mit meinem Mitbewohner in einem geliehenen Auto wieder.” (Blog meines Mitbewohners, der nicht so faul wie ich ist und deutlich mehr geschrieben hat ;-) )

Zur Abwechslung bin ich mal nicht geflogen, – nein ich bin auch nicht im Luxus-Reisebus mit Klimaanlage gereist, ich war nämlich im Auto (Dahaitsu Rocky, für Autokenner) unterwegs. Mein Mitbewohner hat das Auto einer Kollegin bekommen und damit sind wir in den Süden nach Arba Minch und Awassa gefahren.

Die Fahrt war relativ anstrengend – kein Wunder waren wir auch 12 Stunden unterwegs. Das Auto hat einen niedrigen Radstand (was auch immer das heißen soll) weshalb man jedes Schlagloch spürt.  Auf dem Hinweg haben wir aber ständig kurze Stopps eingelegt und sind absichtlich durch größere Pfützen gefahren, habe viele Pinkelpausen (“Panorama-Pissen”) gemacht und haben uns an Lianen gehängt ^^.

In Arba Minch sind wir relativ günstig untergekommen. Am ersten Abend haben wir auch gleich leckeren Fisch gegessen. – Auch wenn ich einen ganzen Fisch, samt Augen, Flossen und Gräten dann doch ein wenig eklig fand. Am nächsten Morgen haben wir einen Besuch in den Nechisar (bedeutet so viel wie “weißes Gras”) National Park geplant.

Dabei trafen wir auf eine Französin, wodurch sich die Kosten noch einmal reduzierten. Weil es in der Nacht zuvor so stark geregnet hatte, konnte man den Park nur per Boot erreichen. Alleine der Weg bis zur Bootsanlegestelle war schon Abenteuer genug. Einmal sind wir stecken geblieben, nach kurzer Zeit ging es dann aber weiter (nachdem Arne die “Differentialsperre” aktiviert haben). Auf dem Weg dorthin haben wir Paviane gesehen!

Im Nationalpark sind wir in einer Affenhitze gewandert. Erst sahen wir gar keine Tiere. Zur Überraschung traf ich meine Arbeitskollegin mit einer Freundin von ihr im Park. Nach gefühlten drei Stunden (tatsächlich waren es vielleicht 1-2 Stunden) sahen wir dann erste Zebras. Wir schlichen uns langsam an um sie nicht zu verscheuchen. Nach einigen Tieren sahen wir dann ganze Herden mit drei/vier Einzeltieren.

Zebras sind schon beeindruckende und schöne Tiere. Außerdem sahen wir eine Gazellenart. Bei dieser kleinen Safari habe ich mich schon richtig auf meine Ostafrika Tour gefreut, mit der es in knapp einem Monat – wenn die Sommerferien sind – losgeht.

Auf dem Rückweg sind wir zum sogenannten Krokodilmarkt gefahren. Das ist eine Stelle an der sich viele Krokodile anfinden und an die man richtig nah heranfahren kann! Zudem gab es dort Nilpferde und Pelikane.

Am nächsten Tag sind wir dann weiter nach Awassa gefahren. Dort gab es zum Glück einen Geldautomaten (der auch funktionierte, was nicht selbstverständlich ist!!!), wir hatten unser Budget einfach zu knapp berechnet, und so konnten wir wieder leckeren Fisch essen und Geld ausgeben ;-) .

Awassa ist meiner Ansicht nach ordentlicher, übersichtlicher – weil kleiner und generell einfach schöner. Städte direkt am See haben etwas faszinierendes. Am Mittwoch ging es dann wieder zurück nach Addis. Auf dem Weg dorthin sind wir am Langano vorbeigefahren. Dies ist einer der wenigen Seen in Äthiopien in denen man unbedenklich, aufgrund fehlender Billharziose, schwimmen kann.
Alle Bilder gibt es wie immer in meiner Fotogalerie
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