Tagesausflug: Lake Wenchi

Letzten Samstag waren Carolina, Arbeitskollegen von ihr und ich am Kratersee Lake Wenchi. Das ganze war mehr oder weniger eine spontane Aktion, weshalb wir vieles einfach unterwegs oder vor Ort organisiert haben.Weitansicht

Lake Wenchi ist rund 135 km von Addis Abeba entfernt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist man in etwa drei Stunden unterwegs. Dort angekommen merkt man, dass man relativ hoch ist (3,386 m), weil die Luft so dünn ist und man viel schneller aus der Puste ist (2400 m sind wir von Addis ja schon gewohnt.).

Gegen Mittag sind wir dort angekommen und ich war von der Landschaft beeindruckt. Dieser Ort strahlt eine ungewohnte aber sehr angenehme Ruhe aus. Es waren kaum Touristen dort und man konnte den See mit seiner tollen Umgebung genießen.Mit solchen Booten bewegt man sich fort.

Erstaunt war ich anfangs, als ich im Ticket Office las, dass es ein Öko-Tourismus Projekt sei und von der GTZ (der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) mit aufgebaut / unterstützt wurde. Dort konnte man dann ganze Touren buchen, inklusive Bootsfahrt, Guide (wahlweise bewaffnet, ein Schuss 80 ETB = ca. 4 €) und Pferden!

Da ich noch nie wirklich geritten bin (saß als Kind lediglich einmal auf einem Pony), war ich wirklich aufgeregt und hatte Respekt vor dem Pferd (wobei die Pferde dort nicht so Caro und ich auf Pferden.groß wie die in Deutschland sind). Auf dem Rücken des Pferdes, anfangs noch vom Besitzer begleitet, schaute ich mich um und war von der Landschaft einfach nur beeindruckt.

Weil Bilder mehr als tausend Worte sagen: Hier geht es zur Fotogallerie.

Auf dem Rückweg bin ich dann vom Pferd gefallen. Es gibt auch keine richtigen Sattel, und der eine Bügel war kleiner als der andere Steigbügel, weshalb ich mich nicht richtig sicher fühlte. Außerdem gab der Besitzer dem Pferd ein Zeichen, dass es galoppieren sollte. Weil ich nicht darauf vorbereitet war und mich nicht richtig festgehalten hatte, stützte ich herunter und nahm den Sattel mit.

Das ist Öko-Tourismus ^^Der Weg war steinig, weshalb ich eine etwa vier Zentimeter große Schürfwunde am Arm hatte. Es tat zwar weh, aber ich finde dass es ein richtig schöner Ausflug war. Todmüde fuhren wir wieder zurück. Mit dem Busfahrer hatten wir uns geeinigt, dass wenn gar niemand zurück nach Addis fahren wollte, wir die Differenz zahlen würden.

Odyssee am Busbahnhof “Terra”

Der Minibus wurde aber schnell voll und es ging los. Unterwegs versuchte ich zu schlafen, was aber nicht wirklich klappte. Irgendwann (tatsächlich sollten es zwei Stunden sein) kamen wir dann an der Busstation “Terra”, in der Nähe vom Mercato an. Wir gingen davon aus, dass jeder von uns den regulären Preis zahlen sollte. Der Busfahrer wollte aber, dass wir doppelt so viel bezahlen, weil wohl kaum Personen eingestiegen wären.

In Ambo hatte er uns noch gesagt, dass er am Abend unbedingt nach Addis Abeba fahren möchte. Vielleicht wäre er ohnehin diese Strecke gefahren. Carolina und eine Freundin von ihr diskutierten mit dem Fahrer und dem Geldeinsammler. Er schloss uns von innen ein und verlangte plötzlich noch einmal mehr, weil wir schon so lange ständen. Wir verlangten, dass wir zur Polizei fahren und die Sache dort klären. Allerdings war der Fahrer damit nicht einverstanden.

So standen wir bestimmt zehn Minuten und es scharrten sich immer mehr Passanten um den Minibus. Einer öffnete von außen das Fenster, in diesem Moment dachte ich mir nichts dabei. Ich fragte ihn ob er denn einen police officer holen könnte, weil wir hier etwas zu klären hätten. Er starrte mich an und tat gar nichts. Es half auch nicht andere Menschen anzusprechen.

Und mein Handy ist weg

Da setzte ich mich einen Sitzplatz weiter, sodass ich in Ruhe telefonieren konnte. Weil ich die Nummer der Polizei nicht wusste, wählte ich die Notfallnummer der deutschen Botschaft. Plötzlich riss mir einer mein Handy aus der Hand (wohlgemerkt: ich saß im Minibus und der Platz direkt am Fenster war frei) und ist weggerannt. Meine Tasche gab ich Carolina, welche immer noch mit dem Fahrer diskutierte, und stieg aus dem Fenster um dem Dieb hinterherzurennen.

Einige hundert Meter weiter sah ich einen Schatten. – Nun wusste ich, mein Handy ist weg. Eine Kellnerin von einem Nahe gelegenen Café kam auch mich zu und sagte mir, dass es als Ausländer hier nachts sehr gefährlich sei (es war vielleicht zwischen 21 und 22 Uhr). Sie nahm mich am Arm und brachte mich vor den Eingang des Cafés. Ich erzählte ihr, dass wir einen Polizisten bräuchten, weil uns der Busfahrer nicht herauslassen möchte und wir uns verarscht fühlten.

Ein in zivil gekleideter Mann bot seine Hilfe an und sagte er sei Polizist. Also ging ich wieder die 50 m zurück und sah, dass Carolina und die Freundin vor dem Minibus standen. Weil ich immer noch so müde war, konnte ich gar nicht recht realisieren was passiert war. Ich wollte einfach nur nach Hause und ins Bett.

Die beiden wollten mit einem Minibus fahren, ich wollte eigentlich ein Taxi nehmen. Als wir auf die Uhr sahen, wussten wir, dass keine Minubusse mehr fahren. Nachdem wir ein kleines Stückchen gelaufen waren, kam ein bewaffneter (Maschinengewehr) Polizist (was hier gar nicht mal so unüblich ist!) der uns fragte was denn passiert sei.

Wir erzählten die Geschichte mit dem Minibusfahrer und mit meinem Handy, welches geklaut wurde. Er hatte wohl verstanden, dass wir den Fahrer bezichtigen, dass er mein Handy geklaut hat. – Was ja nicht stimmte. Immer wieder kamen Passanten und mischten sich ein. Einer bot an, dass er übersetzten könnte und brachte seine eigene Meinung wohl immer ein.

Also standen wir hier auch noch einmal zehn Minuten und mussten erklären, dass der Fahrer keine Schuld hat, die Auseinandersetzung mit ihm für uns gegessen ist und das mit meinem Handy erst einmal egal ist. Zudem sagten wir immer wieder, dass wir wirklich müde sind und nach Hause möchten. Kurze Zeit später kam dann der “Chefpolizist” (drei Sterne an den Schultern), dem wir auch noch einmal alles erzählen mussten.

Er wollte wohl den Fahrer mit auf die Wache nehmen lassen, wir erklärten vehement, dass er unschuldig sei und wir endlich nach Hause möchten. Nachdem der Oberpolizist seine Personalien aufgenommen hatte, wurde der Minibusfahrer beauftragt uns nach Hause zu fahren. Wir ließen ihn 100 m weiter fahren und stiegen dann in ein Taxi ein.

Zu Hause angekommen realisierte ich endlich, dass mein Handy weg ist. Ich war also von nun an nicht mehr erreichbar. Außerdem waren meine spontanen Biltzeinfälle, Notizen, Nachrichten, meine ganzen Kontakte und meine spontanen Bilder weg. Das ärgert mich immer noch am meisten. Meine neue SIM-Karte (mit der alten Nummer) bekomme ich hoffentlich am Montag.

Merke: Mercato ist ein gefährlicher Ort. Beim ersten Mal wollte man mir mein Handy aus der Hosentasche klauen, was ich allerdings bemerkt hatte. Beim zweiten Mal hatten sie es geschafft.

Geldbörse geklaut

Carolina, ein gemeinsamer Freund und ich wollten ins Kino und dort die erste Vorstellung von (Sherlock) Holmes schauen. Weil die beiden noch bei Freunden waren, wollte ich schon einmal vorfahren und uns drei Karten kaufen, weil man diese nicht – wie in vielen Kinos in Dtl. – reservieren kann.

Also stellte ich mich an die Bushaltestelle und wartete auf einen Minibus. Weil relativ viele Leute da waren, wollten natürlich alle einen der wenigen Sitzplätze bekommen. Als dann endlich mal ein Minibus angefahren kam, stellte ich mich an die Tür und wollte in diesen einsteigen.

Auf einmal drückte mich jemand von hinten an den Bus heran und zog wenige Sekunden später mein Portemonnaie aus der Gesäßtasche. – Dies merkte ich sofort und rief wo sie denn sei. Der Geldeinsammler im Minibus schaute mich an und ich berichtete ihm, was mir geklaut worden ist. Weil mir das englische Wort nicht einfiel sagte ich: “My Portemonnaie is stolen!”.

Er schaute mich an, wenige andere auch – doch der Minibus fuhr dann weiter. Sodann rief ich Carolina an und sie kam dann auch kurze Zeit später. Ich lieh mir von ihr Geld und fuhr dann sofort nach Hause. Hier sperrte ich sie dann ungefähr 15 Minuten später.

Jetzt bekomme ich eine neue zugeschickt. Bargeld hatte ich auch nur höchstens 100 Birr (umgerechnet 5 €), weil ich kurz vorher noch einkaufen war. Stellt euch mal vor, dass ich noch Geld abheben wollte, weil wir morgen mit Caro aus Addis herausfahren!

Zum Glück habe ich aber noch meine andere Kreditkarte, welche wohl behütet zu Hause herumliegt. Außerdem könnte ich zur Not auch noch meine ec-Karte benutzen. Ärgerlich ist es trotzdem, weil ich meine äthiopische ID (ein Nachweis, dass ich kein Tourist, sondern Lehrer an der DBSAA bin; vergleichbarer Stellenwert wie der deutsche Perso) jetzt neu beantragen muss und vielleicht mein deutscher Führerschein nun auch weg ist. – Beim letzteren bin ich mir aber nicht ganz sicher.

So etwas passiert mir zum ersten Mal und ich fühlte mich eigentlich auch immer relativ sicher hier in Addis. (In den Minibussen fahren normalerweise auch wohlhabende Äthiopier, weil es für viele zu teuer ist! Meine (äthiopischen) Arbeitskolleginnen fahren mit einem “normaler” Bus, weil Minibusse für sie zu teuer sind!) Naja, meine Mathe-Lehrerin an der Realschule erzählte auch einmal, dass ihr auf dem Weihnachtsmarkt in Deutschland ihre Geldbörse geklaut wurde. Shit happens!

Jetzt bin ich aber vorsichtiger was so etwas angeht!